Angepinnt [How to] Richtiger/dünner Wachsauftrag bzw. Wachs richtig verarbeiten/auftragen

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    • [How to] Richtiger/dünner Wachsauftrag bzw. Wachs richtig verarbeiten/auftragen

      Hallo Freunde des geschützten Lackes,

      wie man ein Auto richtig wäscht und knetet wisst ihr ja alle schon dank der tollen Anleitung von v2.moto zur korrekten 2 Eimer Wäsche. Karsten hat euch mit seinen beiden Exzentermaschinen Videos gezeigt wie man einen Lack wieder in einen kratzerfreien Zustand bekommt: TEIL 1, TEIL 2. Aber gerade beim letzten Schritt – dem sparsamen Auftrag des Wachses hapert es bei den Meisten noch wie Tobias @cybershot: und ich auf unseren Treffen und Workshops festgestellt haben. Genau hier wollen wir ansetzen und euch helfen einen Überblick über Wachse, Applikatoren, Tücher und Auftragetechniken zu bekommen.

      Grundvoraussetzung:

      Lack

      Ideal ist ein frisch polierter Lack, der letzte Schritt sollte entweder ein Precleaner oder Isopropylalkohol bzw. Silikonentferner sein. Wenn ihr bei eurem Auto nur eine Schicht Wachs nachlegen wollt solltet ihr euer Auto penibel waschen UND kneten um sicher zu gehen, dass keine Fiegen, Teerspritzer oder Steinchen auf dem Lack liegen und in euren Applikator kommen können.

      Kunststoffteile

      Alle Kunststoffteile am Auto sollten vor dem Wachsauftrag entweder gründlich gepflegt oder abgeklebt werden, da Wachs gerade auf groben & offenporigen Kunststoffen unschöne Flecken hinterlassen kann. Die einzige Ausnahmen sind die Front und Heckscheinwerfer, diese können bedenkenlos gewachst werden.

      Wachse:

      Alle Wachse haben eine unterschiedliche Härte, welche sich je nach Temperatur ändert. Generell gilt, je wärmer desto weicher. Je weicher ein Wachs ist desto mehr muss man beim Aufnehmen des Wachses mit dem Applikator aufpassen um nicht viel zu viel zu erwischen. Im Zweifelsfall kann man den Applikator am Rand des Wachsbehälters „abziehen“ anschließend ist immernoch mehr als ausreichend Wachs auf der Oberfläche des Schaumstoffs.

      Um euch die unterschiedlichen Härten der Wachse aufzuzeigen habe ich aus einer Höhe von 30 cm über der Wachsoberfläche ein 2 € Stück fallen lassen. Der Einschlagpunkt dürfte euch einen ausreichenden Eindruck der unterschiedlichen Wachshärten vermitteln.

      Hart: Dodo Juice Supernatural







      Wie ihr seht ist die Münze gerade so stecken geblieben. Im Gegensatz zu den anderen Wachsen wurde ein Großteil des Wachses nicht zur Seite "weggeschoben" sondern eher "wegegesprengt".

      Mittelhart: Zymöl Carbon, Definitive Wax Exemplar Glaze





      Der Krater ist gut sichtbar, allerdings nicht sonderlich tief. Im Gegensatz zum harten Wachs sieht man wie das überschüssige Material zur Seite geschoben wurde und sich am Rand auftürmt.



      Weich: Definitive Wax Show Edition



      Auch hier dringt die Münze in das Wachs ein, dieses Mal deutlicher als noch beim mittelharten Wachs.



      Der Krater ist sehr ausgeprägt und deutlich zu sehen.



      Super Weich: Chemical Guys Lava







      Die Münze ist im Wachs nicht mal stecken geblieben, sondern direkt umgekippt. Das Wachs ist so weich, dass das verdrängte Wachs nicht in Wellen am Rand stehen blieb sondern zum Teil wieder über die Münze floss.

      Flüssig-/Sprühwachs: Surf City Garage Barrier Reef Carnauba Wax





      Ich denke der Euromünzentest erübrigt sich hier :) Die Konsistenz ist von Vorteil, wenn man das Wachs mit der Maschine auftragen möchte.



      Die Härte des Wachses sagt nichts über den Carnaubaanteil oder die Standzeit des Schutzes aus.

      Applikatoren:

      Sandwichapplicatoren:



      Sie bestehen aus zwei weichen Außenteilen und einem härteren Kern. Die weichen Schichten außen stellen eine gute Anpassung des Applikators an die Lackfläche sicher, während der harte, innere Teil verhindert, dass gerade bei weichen Wachsen ein Großteil des Produktes nach innen wandert.



      Geteilte Applikatoren:



      Sie bestehen aus einem weichen und einem harten Teil. Wie bei den Sandwichapplikatoren verhindert der härtere Teil, dass der Applikator das Produkt aufsaugt, allerdings hat er hier noch einen zusätzlichen Vor- & Nachteil. Der Vorteil: man kann den Applikator sehr gut fassen, er liegt gut in der Hand. Der Nachteil: Aufgrund der Größe kann der Applikator nicht in allen Wachstiegeln gleich gut angewendet werden, gerade bei ¾ leeren Behältern kommt man nicht mehr gut an das Wachs heran.



      Einteilige Applikatoren:

      Hier muss man nochmal zwischen günstigen und teureren Applikatoren unterscheiden.

      Günstige Applikatoren:



      Wie man gut sehen kann ist der Applikator aus 2 Einzelteilen zusammengesetzt und in der Mitte zusammengeschweißt. Diese Schweißnaht birgt natürlich die Gefahr, dass man damit wieder Kratzer in empfindliche Lacke fahren kann.



      Teurere Applikatoren:



      Wie man sieht bestehen die Applikatoren aus einem Stück Schaumstoff und haben daher keinen harten Rand der für Kratzer sorgen könnte.

      Die runden Applikatoren sind meistens recht weich und können daher in nahezu jeden Wachspot genutzt werden. Zudem passen sie sich gut an die Konturen des Autos an.

      Fingerpockets:





      Die Fingerpockets sind meistens innen Verschweißt und eignen sich zum Wachsen an engen Stellen wie an Felgen, Lüftungsschlitzen, etc.

      Warum gehen wir hier nicht auf den Wachsauftrag mit der bloßen Hand ein?
      Zum 1. ist ein Wachsauftrag per Hand nicht sonderlich wirtschaftlich, da die Haut einen Teil der Öle und Fette aufnimmt und vieles in Falten hängen bleibt.
      Der 2. und wichtigere Grund ist eigentlich die Gesundheit. Zymöl gibt für das Carbon folgende Zutaten an: Carnauba Wachs, Montan Öl, Kokosnussöl, Bananenöl, Propolis – soweit so gut, allerdings kommen dann Cetylesther, Cetylamide (aus Kokosnussöl) und FD&C blue 1 was ein Farbstoff auf Petroleumbasis ist. Und sowas will sich jemand freiwillig auf die Haut schmieren?
      3. Hat so gut wie jeder von uns Hornhaut an den Fingerspitzen und Handballen, diese kann bei empfindlichen Lacken schnell unschöne Kratzer hinterlassen.
      Der 4. und letzte Grund ist ein Gegenargument zu der beliebten Werbeaussage: die Körpertemperatur schmilzt das enthaltene Carnaubawachs: laut diversen Quellen hat Carnauba eine Schmelztemperatur zwischen 80 – 87°C selbst die Leute mit warmen Händen kommen da nicht ran ;-)

      Kommen wir zum wichtigsten Teil des sparsamen Wachsauftrages, den Techniken. Hierzu haben Tobias und ich ein kleines Video für euch gedreht.



      Fingerwischtest:

      Zum Fingerwischtest hat heli bereits ein schönes „Was ist eigentlich... der Fingerwischtest“ geschrieben.

      Wenn der Fingerwischtest durch das streifenfreie Ergebnis zeigt, dass ihr das Wachs abnehmen könnt steht ihr natürlich vor der Frage, was für ein Tuch nehme ich?

      Tücher:

      Kurzfloorige Tücher:



      Von nahem erkennt man schön, dass die Tücher auf Grund ihrer Fasern trotz der Kürze sehr weich und lackschonend sind:



      "Münztest" zur Einordnung der Faserlänge:



      Diese Tücher eignen sich durch die kurzen Fasern hauptsächlich um einen Großteil des überschüssigen Wachses abzunehmen. Sie können allerdings noch leichte Spuren in einer Wachsschicht hinterlassen.

      Langfloorige, geschlaufte Tücher:



      Beim näheren hinsehen erkennt man gut, dass die Fasern deutlich länger und dicker sind als beim vorherigen Tuch.



      "Münztest"



      Diese Tücher eignen sich um letzte Wachsreste abzunehmen, da die Schlaufung der Mikrofasern das Verkleben durch Wachs verhindert.

      Langfloorige, ungeschlaufte Tücher:



      Beim näheren hinsehen erkennt man, dass die dünnen, ungeschlauften Fasern sehr nahe beieinander liegen. Wenn noch viel Restwachs auf dem Lack liegt können sie miteinander Verkleben und das Tuch kann seine volle Wirkung nicht mehr entfalten.



      Münztest:



      Die weichsten Tücher überhaupt eignen sich dazu um im letzten Schritt die kleinen Spuren welche wir uns evtl. mit dem kurzfloorigen Tuch in die Wachsschicht gefahren haben wieder verschwinden zu lassen.

      Nachschwitzen

      Einige Wachse neigen selbst bei dünnem Auftrag zum nachschwitzen, dies ist unabhängig von der Konsistenz des Wachses und des Carnaubanteiles - generell steigt die Gefahr des Nachschwitzens mit der Menge des aufgetragenen Materials.

      Woran liegt es?

      Das Wachs hat den Trocknungsvorgang nach dem Abwischen noch nicht abgeschlossen. Dies äußert sich dadurch, dass es bei den meisten Wachsen nach ein paar Stunden nochmal einen Ticken Extraglanz gibt und andere Wachse schwitzen eben nach.

      Woran erkennt man es?

      Beim Nachschwitzen kommt es entweder zu einem kompletten Grauschleier auf dem Lack oder man erkennt plötzlich wieder die (Ab-)Wischspuren auf dem Lack.
      Man kann den Trocknungsvorgang und somit das eventuelle Nachschwitzen eines Wachses beschleunigen indem man das Fahrzeug nach dem Wachsabtrag für 2-3h in die pralle Sonne stellt. Anschließend wischt man nochmals mit einem langfloorigen Tuch nach und erfreut sich am perfekten Glanz.

      Generelle Tipps zum dünnen wachsen

      - Streift das überschüssige Wachs eures Applikators zuerst am Rand des Wachstiegels ab bevor ihr damit auf den Lack geht; so vermeidet ihr von Anfang an, dass viel zu viel Wachs auf das Bauteil kommt.

      - Stellt den Wachstiegel immer weg, ich stelle ihn immer auf die Werkbank vor dem Auto. Wenn ihr den Tiegel in der 2. Hand habt ist die Verlockung deutlich größer viel zu früh frisches Wachs zu holen und so wieder zu dick aufzutragen. Spätestens wenn ihr die Motorhaube behandelt habt ist der Applikator so gut mit Wachs gesättigt, dass eine frische "Wachsladung" aus dem Tiegel für ein komplettes Bauteil ausreicht.

      Ich hoffe, dass wir euch ein wenig weiterhelfen konnten und ihr Spaß beim Lesen und Umsetzen hattet!

      Gruß

      Christian

      "Ich habe nichts gegen Elektroautos. Es ist bloß so: Ich bevorzuge V8-Motoren. Das ist mein Dienst an der Menschheit." Jeremy Clarkson

    • Tolles Video und eine tolle Anleitung. ()!

      Ich für meinen teil bin froh das ich diesen Arbeitsgang schon richtig gemacht habe. Also wie in der Anleitung beschrieben. :lvit:

      >tout< Aber eine frage hätte ich da aber noch!

      Es wird immer öfters beschreiben das man nach dem Wachsen und dem Abtragen, den Wagen in die Sonne stellen soll und nach einiger Zeit das Wachs auspolieren soll.

      Macht ihr euch da keine Sorgen über Verschmutzungen wie Staub oder Pollen die beim letzten Auspolieren den Lack wieder schädigen können? :shckd:

      Swizzöl beschreibt es auch so das man nach einiger Zeit in der Sonne den Wagen nochmal komplett abwischen soll. ?(

      Ich habe mich bis jetzt immer strickt dagegen geweigert und das Ergebnis nicht zu zerstören. ;(

    • Servus

      Sehr informativ. Habe ich bis dato schon so ähnlich gemacht. Beim Collinite 476 lernst du automatisch den dünnen Auftrag, da rächt sich jedes bißchen zuviel beim abnehmen.
      Ich habe auch gute Erfahrungen mit dem maschinellen Auftragen gemacht. Schwarzes Lake Country Pad am Rand herum in den Tiegel getippt und mit der Excenter aufgetragen (auf Motorhaube, Dach und Türen), den Rest mit Hand.

      mfg

    • Wow ein Top Beitrag! ()!
      Das erspart mir sicher das ein oder andere Gramm Wachs :smb:

      Eine Nachfrage noch: Ihr weist ja drauf hin, dass man mit dem Rand vom Tuch aufpassen soll. Wäre nicht von vorneherein ein randloses Tuch zu empfehlen zum Wachsabtrag? Gibt es ja viele von verschiedenen Herstellern. So müsste man sich darum erst gar keine Sorgen machen 8)

    • Auch von mir ein "RiesenDankeschön"! :]

      Ich habe ja mitbekommen wieviel Arbeit ihr da reingesteckt habt, alleine schon das Filmen und die Bearbeitung des Videos. Das ist nicht "mal so schnell" gemacht. Dann auch noch die tolle Erklärung von Dir Christian. Einfach TOP.

      Danke an Euch zwei Christian/Himmel und Cybershot/Tobias T^

    • #0da^ für die Mühe die Ihr Euch gemacht habt.


      Der Beitrag ist genial geworden. T^
      Ich denke, da können viele inkl. mir noch etwas durch lernen.

      Himmer und Cybershot - unseren neuen Filmstars ;)

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